Vienna Voodoo

„Im Mai 2006 gingen Alexander Nikolic und ich nach Mathare,
in den größten Slum von Nairobi mit rund 500 000 Bewohnern.
Wir wollten dort eine Kunst-Performance realisieren.
Drei Tage im mit Scheiße, Kadavern und Aids-Kranken
übersäten Morast Mathares.
Im weißen Smoking.
Die Performance war Teil meiner Vienna Voodoo Serie
und ist als eigene Foto Edition erschienen.
Ich wollte zwei Welten auf einem Bild vereinen.
Die Perspektiven wechseln.
Kapitalistischer Realismus.
Jene Realitäten vereinen, die sonst durch Grenzzäune
und Sperranlagen getrennt sind.
Die Bewohner im Slum freuten sich, wenn sie mich im Anzug sahen.
Sie waren nicht schockiert.
Im Gegenteil,  ich symbolisierte für sie Normalität.
In ihrer Realität ist jeder Weiße reich.
Für sie war der schöne Anzug eher Ausdruck des Respekts als der Provokation.
Unser Blick auf Afrika ist maximal ein mitleidiger.
Hungernde Kinder.
Krieg.
Aids.
Wir kommen darin nicht vor und wenn, als Samariter,
humanitäre Hilfstruppen oder Ärzte ohne Grenzen.
Sozialarbeiter.
Julius Mwelu und Fred Otieno leben im Slum. Sie sind dort aufgewachsen.
Sie arbeiten als Filmer und Fotografen,
dokumentieren das Leben und Sterben im Slum.
Sie schreiben eine Geschichte des Slums.
Eine Geschichte,  die sonst niemand schreibt.
Gemeinsam mit Nikolic und Sam Hopkins
dokumentierten sie meine Slum-Performance.
Was als „Making of Vienna Voodoo“ begann,  entwickelte sich mit
zahlreichen Interviews zu einer kleinen Dokumentation über Probleme
und Perspektiven in Mathare und einem ersten gemeinsamen Test für
unser nächstes Projekt: Slum TV.“

Auszug aus dem Artikel „Economy Class“ von Lukas Pusch
New York Artsmagazine, Juli/ August 2006

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