Berliner Weiße mit Schuss

„Die Berliner Holzschnitte können aktueller nicht sein. Radikal und gewaltig
kommen sie daher wie zeitgeistige Bomben – die man nicht rief, doch erwartet hat.
Sie werden in Erinnerung bleiben, diese wunderschönen Gemeinheiten.
Zum Beispiel „Berliner Weiße mit Schuß“. Eine weibliche Leiche mit Revolver an einer Hauswand vor Berliner Kulisse. Oder „Ostöffnung“. Die korrumpierte Dirne erwartet ihre Inbesitznahme und Entlohnung. Virtuos in Holz geschnittenes Grauen.
Expressive Realität, die man kaum erträgt und ja doch erträgt. Eine nicht zu
übersehende Reminiszenz an einstige Propaganda-Plakate bedeutet mehr als nur
einen stilistischen „Kunstgriff“. Doch es gibt auch diesen Humor, der nicht lächerlich sondern Mut macht. Und eine seltsam romantische Erotik singt ein fast vergessenes Lied. Selbst im apokalyptischsten aller Momente verweigert man sich der Resignation.
Pusch spekuliert nicht mit Elend, geht mit Kritik nicht hausieren. Er formuliert sie. Die hohe Kunst der konstruktiven Wut. Und die „Schönheit“? Sie wird nicht als
Verkaufsetikett mißbraucht, sondern ist Mittel zu menschlicher Lesbarkeit und bleibt erste und letzte Sehnsucht.“

Paula  Böttcher
aus der Ausstellungskritik „Lukas Pusch bei endart, Berlin“
New York Arts Magazine, Sept./Oct. 2005

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