Kaiserwalzer und Thronnachfolge
„Eine deiner Kunstbucheditionen, die meist Orte wie Köln, Berlin (Berliner Mappe), Afrika, etc. zum Thema haben, spielt in Wien, Kaiserwalzer. Mit der Heimat und der monarchischen Tradition scheinst du besonders ironisch umzugehen.
Mit dem Künstlerbuch einher geht die Aktion: „Kaiserwalzer und Thronnachfolge“, die in der Wiener Hofburg geplant war, aber aus feuerpolizeilichen Gründen verboten wurde. Im Parlament wurde dein Projekt Kunst und Politik auch nach kürzester Präsentationsdauer entfernt. Du scheinst deinen Finger gerne auf die wunden Punkte der Gesellschaft zu legen …
Die wunden Punkte der österreichischen Gesellschaft interessieren mich nicht. Ich will Kunst machen. 2008 wurde ich von der Kunst und Antiquitätenmesse in der Wiener Hofburg eingeladen eine Arbeit zu machen. „Kaiserwalzer und Thronnachfolger“ war mein Versuch einer ortspezifischen Arbeit. Wiener Pop-Art an einem sehr schwierigen Ort. Meine Aktion könnte man auch als eine Art Hommage an Hans Makart interpretieren, aber wer in der Wiener Hofburg weiß heute, wer Hans Makart ist. Mein fahrbarer Kaiserthron aus einem Plastikscheißhaus kam zwar beim Publikum sehr gut an, einige der Kunst- und Antiquitäten-Aussteller wurden aber fast handgreiflich. Die geplanten Hofburg-Rundfahrten mit slowakischer Straßenmusikbegleitung wurden verboten und ich konnte auch den Grossteil meiner Collagen und Übermalungen nicht zeigen. Aber was soll’s, sie fanden trotzdem Käufer…
Bei „Kunst und Politik“ untersuchte ich Mitte der 90iger Jahre die Prinzipien operativer Ästhetik unter heutigen gesellschaftlichen Bedingungen. Aber der politischen Nomenklatura Österreichs gefiel das nicht. Also ging ich nach Dresden und widmete mich der Landschaftsmalerei…“
Interview von Angela Stief mit Lukas Pusch aus dem Katalog
zur Ausstellung „Lebt und Arbeitet in Wien III“, Kunsthalle Wien, 2010
